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Das GOLDENE LOT 2025 für Martina Klärle

 

Sie ist Geodätin, Umweltwissenschaftlerin und Hochschulmanagerin – und nun Trägerin der höchsten Auszeichnung im Vermessungswesen: Die Präsidentin der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), Professorin Dr. Martina Klärle, wurde am 14. November in Köln vom Verband Deutscher Vermessungsingenieure (VDV) mit dem GOLDENEN LOT geehrt.

VDV-Präsident Wilfried Grunau hob in seiner Rede die besondere Verbindung hervor, die Klärle zwischen technologischen Innovationen und gesellschaftlicher Verantwortung schafft: „Bei der Auszeichnung mit dem GOLDENEN LOT geht es nicht einfach nur um die Auszeichnung technologisch begründeter Innovationen, die den Wandel der Welt vorantreiben, sondern vielmehr auch um die Art und Weise, wie die Preisträger die technologische und soziale Ebene miteinander verflechten. Professorin Dr. Martina Klärle steht mit ihrer Arbeit exemplarisch für diese Verbindung: Als Geodätin und Umweltwissenschaftlerin setzt sie sich für die nachhaltige Nutzung von Daten und Technologien ein, als Hochschulmanagerin prägt sie die Ausbildung kommender Generationen.“ 

Der renommierte, seit 1990 verliehene Preis zählt zu den bedeutendsten Ehrungen im Bereich Geodäsie und Geoinformatik. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören neben führenden Wissenschaftlern auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Joachim Gauck, Johannes Rau, Rita Süßmuth, Ranga Yogeshwar, Arved Fuchs oder Mojib Latif. Sie alle eint, dass sie die gesellschaftlichen Debatten über Innovation und Zukunftsthemen entscheidend mitgeprägt haben. 

Die diesjährige Preisverleihung fand im feierlichen Rahmen der traditionsreichen „Wolkenburg“ in Köln statt. Die Laudatio auf Professorin Klärle hielt der Vorjahrspreisträger Prof. Dr. Thomas Luhmann. An der Galaveranstaltung nahmen auch ehemalige Preisträger des GOLDENEN LOTES teil und berichteten im Laufe des Abends über ihre aktuellen Aktivitäten und Projekte.

Eine Expertin mit Praxisbezug

Professorin Dr. Martina Klärle ist seit 2022 die erste Frau an der Spitze der DHBW. Zuvor prägte sie die Frankfurt University of Applied Sciences als Vizepräsidentin für Forschung, Weiterbildung und Transfer und leitete das Frankfurter Forschungsinstitut für Architektur, Bauingenieurwesen und Geomatik sowie das Center for Applied European Studies. In ihrer Professur für Landmanagement lehrte sie unter anderem rechtsverbindliche Planung, erneuerbare Energien und Umweltmanagement. Seit über 20 Jahren ist Klärle als Geodätin und Umweltwissenschaftlerin an verschiedenen Hochschulen tätig – stets mit einem klaren Fokus auf Praxisrelevanz. Nachhaltigkeit ist für Martina Klärle kein Schlagwort, sondern ein Handlungsprinzip: Sie zeigt, wie erneuerbare Energie, regionale Wertschöpfung und kluge Raumplanung zusammengehören. Mit einem eigenen erfolgreichen Planungsbüro setzte sie ihre Ideen auch unternehmerisch um. Für ihre Arbeit wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet.

Keynote des VDV-Präsidenten Wilfried Grunau

Liebe Freundinnen und Freunde der Messkunst,

wir sind hier zusammengekommen, um das Goldene Lot zu verleihen – eine Auszeichnung, die für Genauigkeit, Orientierung und Verantwortung steht. Attribute, die nicht nur die Geodäsie auszeichnen, sondern auch das Wirken unserer heutigen Preisträgerin. 

Das Goldene Lot ist ein Symbol, das uns erinnert: Orientierung ist kein Selbstzweck. Sie ist Grundlage jeder verantwortungsvollen Gestaltung unserer Zukunft. Denn wer Orientierung hat, kann Entscheidungen treffen – und wer Entscheidungen trifft, trägt Verantwortung.

Wenn wir von Geodäsie sprechen, sprechen wir von der Kunst des Messens. Doch beim Goldenen Lot geht es immer auch um ein anderes Maß:

  • Das Maß unserer Verantwortung.
  • Das Maß unseres Handelns.
  • Das Maß unserer Werte.

Es geht darum, wie wir Wissen einsetzen. Wissen allein verändert die Welt nicht – erst das Tun, das Mut zeigt und Haltung offenbart. Daher ist es mir wichtig, an dieser Stelle deutlich zu sagen: Wer die Geodäsie versteht, weiß, dass das Lot weit mehr ist als ein bloßes Instrument – es ist das wertvollste Erbe der Geodäsie, man könnte fast sagen: es ist unser Weltkulturerbe der Orientierung.

Wir Geodäten vertreten ein Fachgebiet, das für viele unsichtbar ist – aber keineswegs unverzichtbar. Denn die Geodäsie beantwortet grundlegende Fragen:

  • Wo sind wir?
  • Wie verändert sich unsere Welt?
  • Wie können wir sie für kommende Generationen bewahren?

Diese Fragen klingen technisch – doch sie sind zutiefst menschlich. Sie führen uns zu den Themen, die unsere Zukunft bestimmen: Bildung, Nachhaltigkeit und Ethik. Bildung braucht Ethik – denn Wissen ohne Moral kann orientierungslos machen. Unsere Preisträgerin hat sich stets dafür eingesetzt, dass Hochschulen nicht nur Fachkräfte ausbilden, sondern Persönlichkeiten, die Gesellschaft gestalten und stärken.

Bildung ist der Kompass einer jeden Gesellschaft. Sie ermöglicht uns die Welt zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen und Wandel aktiv zu gestalten. Und sie eröffnet Chancen – überall dort, wo Menschen sich bilden möchten, wächst Hoffnung.

Im Kontext der Geodäsie zeigt sich das besonders klar: Daten allein reichen nicht.  Wir brauchen Menschen, die sie lesen, interpretieren und ethisch anwenden können.  Eine moderne Bildung muss daher nicht nur Wissen vermitteln, sondern Haltung stärken.  Sie muss Menschen befähigen, den Blick zu heben – vom Messpunkt zum großen Ganzen.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie sich der zunehmende Einsatz von KI-Tools auf unser Denken auswirkt. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine übermäßige Abhängigkeit von KI das Potenzial hat, kritische Denkfähigkeiten zu unterminieren – insbesondere dann, wenn geistige Prozesse an Maschinen ausgelagert werden. Gerade in Bildung und Forschung sollten wir deshalb ein Gleichgewicht finden: KI kann uns effizient unterstützen, doch sie darf nicht zur passiven Nutzung verleiten. Sie sollte vielmehr anregen, Ergebnisse zu hinterfragen, Widersprüche zu erkennen und eigenständig zu denken.

Lehr- und Lernansätze müssen darauf zielen, kritisches Denken zu fördern – auch und gerade im Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Bildung und Technologiegestaltung sollten so gestaltet sein, dass KI das Denken unterstützt, nicht ersetzt. Denn Künstliche Intelligenz kann Wissen durch Rekombination von Daten zwar verdichten und so vielleicht verborgenes Wissen aufdecken, aber sie kann nicht wirklich neues Wissen aus einer gegebenen Menge vorhandenen Wissens generieren. 

Und schon gar nicht kann sie ihm einen höheren Sinn geben.

Gerade dieser höhere Sinn – der Sinn, der über Daten, Algorithmen und Modelle hinausweist – ist es, der unser Handeln leitet. Er verbindet Erkenntnis mit Verantwortung. Denn Wissen ohne Verantwortung bleibt leer, und Technologie ohne Ethik bleibt richtungslos. Darum ist es unsere gemeinsame Aufgabe, Maß zu halten – im Denken, im Forschen und im Handeln.

Die Erde steht unter Druck. Wir messen Temperaturanstiege, schwindende Ressourcen, Veränderungen in Städten und Landschaften. Und jede Messung ist auch ein Appell: Wir wissen genug, um zu handeln.

Die Geodäsie liefert präzise Erkenntnisse über den Zustand unseres Planeten – damit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltige Entscheidungen treffen können. Die Geodäsie hilft dabei, nicht erst dann aktiv zu werden, wenn es zu spät ist. Unser Zeitalter braucht nicht nur Innovation – es braucht bewahrende Intelligenz. Wir vermessen die Welt, damit wir uns in ihr zurechtfinden können. Wir bilden Menschen aus, damit sie diese Welt verbessern. Wir handeln nachhaltig und ethisch, weil diese Welt unsere einzige ist. Aber damit das gelingt, müssen wir Mut haben – Mut, das Richtige zu tun, auch wenn es unbequem ist.

Das Lot – unser heutiges Symbol – erinnert uns daran: Es genügt nicht, zu wissen, was möglich ist. Wir müssen entscheiden, was richtig ist. Technologischer Fortschritt eröffnet Räume, doch erst ethische Überlegungen geben ihm Ziel und Sinn. Wir Geodäten, Ingenieure und Wissenschaftler tragen Verantwortung dafür, wie unsere Erkenntnisse genutzt werden. Unsere Gesellschaft braucht deshalb Menschen, die sich nicht nur an Zahlen orientieren, sondern auch an Werten.

So wie unsere heutige Preisträgerin.

Liebe Frau Klärle, liebe Martina, Du hast Wissenschaft und Gesellschaft miteinander verbunden – und dadurch Zukunft gestaltet. Deine Projekte haben gezeigt: Nachhaltigkeit ist keine Theorie, sondern ein Handlungsprinzip. Du hast früh erkannt, dass erneuerbare Energie, regionale Wertschöpfung und kluge Raumplanung zusammengehören. Du hast nicht darauf gewartet, dass andere anfangen – Du hast selbst angefangen. Du hast Mut gezeigt, Veränderungen zu gestalten, statt sie nur zu verwalten. Und Du hast viele Menschen mitgenommen: Studierende, Kommunen, Bürgerinnen und Bürger – alle, die Orientierung suchten und sich engagieren wollten.

Martina Klärle verkörpert die Prinzipien, für die die Geodäsie steht: Ordnung in einer komplexen Welt, Orientierung in unsicheren Zeiten, und Verantwortung im Denken und Handeln. Ihr Leitspruch könnte lauten: „Wissen schafft Wirkung.“ Und diese Wirkung spüren wir. Wenn wir heute das Goldene Lot verleihen, dann würdigen wir also nicht allein Verdienste, sondern wir bekräftigen einen gemeinsamen Auftrag:

  • Die Welt so zu vermessen, dass wir sie erhalten können.
  • Bildung so zu gestalten, dass sie Orientierung gibt.
  • Fortschritt so zu nutzen, dass er Zukunft möglich macht.

Die Auszeichnung erinnert uns daran: Wir alle sind gefragt. In Forschung und Industrie, in Ausbildung und Politik, im täglichen Handeln als Einzelpersonen dieser Gesellschaft.

Keiner kann die Welt allein verändern, aber jeder Einzelne kann dazu beitragen, dass sie den richtigen Kurs hält.

  • Geodäsie hilft uns, die Erde in ihrer Verletzlichkeit zu begreifen.
  • Bildung hilft uns, Verantwortung zu übernehmen.
  • Ethik hilft uns, richtige Entscheidungen zu treffen.

Wenn wir diese drei Kräfte verbinden, können wir Orientierung geben – und Zukunft gestalten. 

Liebe Martina Klärle. Deine Arbeit hat vielen Menschen neue Perspektiven eröffnet. Du hast gezeigt, dass Verantwortung Freude machen kann. Dein Einsatz ist ein Gewinn – für die Wissenschaft, für die Gesellschaft und für die kommenden Generationen. Deshalb wird Dir heute das Goldene Lot verliehen – als Zeichen tiefen Respekts, großer Anerkennung und herzlichen Dankes. Du bist eine würdige Trägerin dieses bedeutenden Symbols der Orientierung. Ich freue mich sehr, Dich im Kreise der Lotträger begrüßen zu können.